Teilhabe als
Menschenrecht

Pressespiegel

Auf dieser Seite dokumentiert das Presseteam die Veröffentlichungen zum Aktionstag 'Teilhabe als Menschenrecht' am 9. Dezember 2017 im Bayerischen Landtag.
 
 Wir freuen uns, wenn Sie uns über erschienene Beiträge informieren, die wir gerne in unseren Pressespiegel aufnehmen.
 
 Pressekontakt:
 Stiftung Journalistenakademie Dr. Hooffacker GmbH & Co. KG, Projektteam MORGEN, Arnulfstraße 111-113, 80634 München, Telefon: 089 130 132 56, Fax: 089 13 14 06, projekt17.journalistenakademie@gmail.com , www.journalistenakademie.de
 
 
 Ankündigung
 
 Terminhinweis MORGEN e.V., Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht
 
 Terminhinweis Fraktion BÜNDNIS 90/Die GRÜNEN im Bayerischen Landtag (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht
 
 Terminhinweis von Willkommen in München, Caritasverband der Erzdiözese München und Freising e.V. (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht - Ein Parlament der Migrantinnen und Migranten
 
 Terminhinweis von Münchner Tage der Menschenrechte (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht
 
 Terminhinweis von Selbsthilfezentrum München (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht
 
 Terminhinweis von multikultitreff.de (03.12.2017)
 Link zum Beitrag: Teilhabe als Menschenrecht - Diskussionen und Workshops im Bayerischen Landtag
 
 Nachbericht
 
 Blogbeitrag auf der Seite der Journalistenakademie München (10.12.2017)
 
 Geflüchtete: Teilhabe ist Menschenrecht
 
 Viel Interesse am Aktionstag „Teilhabe ist Menschenrecht“ im Bayerischen Landtag
 Geflüchtete integrieren: „Nur gemeinsam werden wir eine Chance haben“
 Mehr als 200 Aktive und Gäste diskutierten am 9. Dezember 2017 auf Einladung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Maximilianeum Praxisbeispiele gelingender Integration

 
 „Wir wissen, welche Hürden es auf dem Weg zu einem gleichberechtigten Miteinander gibt“, mahnte Mitra Shafrifi Neystanik, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte AGABY. Angesichts der Wahlerfolge der AFD bei der Bundestagswahl gehe es darum, engagiert und selbstbewusst zu handeln: „Nur gemeinsam werden wir eine Chance haben“. Christine Kamm, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, hatte zuvor als Gastgeberin mehr als 200 Aktive aus der Migrationsarbeit und Gäste herzlich im Plenarsaal des Landtags begrüßt.
 
 Gerlinde Wouters, FÖBE – Förderstelle Bürgerschaftliches Engagement, setzt auf freiwilliges Engagement. „Ehrenamt stiftet Gemeinschaft in der Stadtgesellschaft“, ist sie überzeugt. 43 Prozent der Einwohner Deutschlands engagierten sich ehrenamtlich, mit und ohne Migrationshintergrund. Wouters Erfahrung: „Integration gelingt durch Arbeit oder Ehrenamt.“ Sprachkurse sind für beides der erste Einstieg. „Wer die Sprache nicht kann, hat Probleme, sich zu engagieren.“
 
 Bei MORGEN, dem Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen, unterstützen die „Mitglieder aufgrund eigener Migrationserfahrungen geflüchtete und zugewanderte Menschen“, erzählt Safiétou Schwab, Vorstandsvorsitzende von MORGEN e.V. Mit Erfolg: „Das Engagement der Migrantenorganisationen ist sehr vielfältig und zentral für das friedliche Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“.
 
 Die Diskussionen in den neun Workshops des Aktionstags waren vielseitig. Die Themen reichten von ‚Politischer und gesellschaftlicher Teilhabe‘ über ‚Bildung, Geschichte der kulturellen Vielfalt‘ bis hin zu ‚Arbeitsmarktintegration‘ und ‚Frauenrechten: Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern‘. Parallel dazu ging es um ‚Wohnen – Stadtentwicklung und interkulturelles Zusammenleben‘, den ‚Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung‘, ‚interkulturelle Kulturarbeit‘, ‚Zuwanderung und Asyl: Brauchen wir ein Einwanderungsgesetz?‘ sowie ‚Bürgerschaftliches Engagement von Migrantenvereinen‘.
 
 Den Aktionstag „Teilhabe als Menschenrecht“ organisierte MORGEN e.V., Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen, zusammen mit der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dem Selbsthilfezentrum München, der Förderstelle für Bürgerschaftliches Engagement FöBE, dem Migrationsbeirat der Landeshauptstadt München, der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns AGABY e.V. und der Stiftung Journalistenakademie.
 
 Das Team der Journalistenakademie dokumentiert die Ergebnisse der Workshops, die in die parlamentarische Arbeit einfließen werden. Weitere Informationen liefert die digitale Pressemappe unter www.journalistenakademie.de/presse/teilhabe.
 
 Link zum Beitrag:
 Aktionstag für Geflüchtete: Teilhabe ist Menschenrecht
 
 Nachbericht
 
 Migrationspolitischer Newsletter 6/2017 von Christine Kamm, MDL BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
 
 Teilhabe als Menschenrecht - Ein Nachbericht (18.12.2017)
 
 Bayerns Zukunft weltoffen gestalten
 Großes Interesse an Grüner Konferenz: Teilhabe als Menschenrecht
 Mehr als 200 Gäste und ehrenamtlich Aktive vieler verschiedener Migrantinnenorganisationen und Migrantenorganisationen folgten der Einladung unserer integrationspolitischen Sprecherin Christine Kamm und der Landtags-Grünen. Zentrales Thema der ganztägigen Konferenz war die Rolle der organisierten Verbände von und für Menschen mit Migrationshintergrund in Bayern.

 
 Ein breitgefächertes Programm mit Workshops und Redebeiträgen von Christine Kamm, unseres Kommunalpolitik-Experten Jürgen Mistol, unserer Frauenpolitik-Expertin Verena Osgyan und zahlreichen Gästen, darunter Mitra Sharifi-Neystanak, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte (AGABY) und Safietou Schwab von MORGEN e.V., wurde mit Musik des syrischen Friedenschors München abgerundet.
 
 Teilhaben, Teil sein?
 Alleine im Großraum München existieren mehr als 1.300 Gruppen, Verbände, Vereine oder ehrenamtliche Initiativen, wobei hiervon mehr als 170 einen Migrationshintergrund haben. Mehr als 20 Prozent der Bayerinnen und Bayern haben einen Einwanderungshintergrund. Bayern ist also ein Einwanderungsland. Der öffentliche Diskurs, die Wahrnehmung und die Sichtbarkeit dieser Menschen spiegelt dies jedoch nicht wieder. Die Arbeit vieler Organisationen von und für Migrantinnen und Migranten geschieht im Verborgenen. Integration ist kein geradliniger Prozess in eine Richtung, sondern vielmehr ein beidseitiges individuelles Voranschreiten, bei dem die Anforderungen der Gesellschaft, des Alltags und die Bedürfnisse des eigenen kulturellen, ethnischen und gegebenenfalls auch religiösen Hintergrundes einen Konsens bilden müssen.
 
 Arbeit und Sprache sind die wichtigsten Säulen der Integration. Nur wer berufstätig ist, kann ein selbstbestimmtes Leben führen. Nur wer Deutsch kann, kann sich außerhalb der Muttersprache politisch, gesellschaftlich aber vor allem auch im Alltag einbringen und beteiligen. Die Staatsregierung sieht dies jedoch anders. Migrantinnen und Migranten werden als Personalressource betrachtet. Fähigkeiten und Arbeitseinsatz werden gerne in Anspruch genommen, um die bayerische Wirtschaft zu stärken und den Absatz zu erhöhen. Eine Ressource hat aber keine eigene Identität, sie muss nicht partizipieren und soll nicht gestalten. Leitkultur nennt es die CSU. In Wahrheit ist es jedoch ein Leitkult. Migrantinnen und Migranten sollen bestenfalls ihre eigene Herkunft hinter sich lassen und dem folgen, was die CSU als bayerisch betrachtet – auch wenn sie selbst nicht weiß, was das eigentlich ist.
 
 Wir Grünen im Bayerischen Landtag und auch die Mitorganisatoren des Vernetzungstreffens dagegen sagen: 'Wer in unserem Land dauerhaft lebt, soll aber mitbestimmen und -gestalten können! Mit Vernetzungstreffen wie diesem wollen wir Mittel und Wege aufzeichnen, wie Migrantinnen und Migranten besser an unserer Gesellschaft teilhaben können oder dass sie schon jetzt ein Teil unserer Gesellschaft sind“, so Christine Kamm.
 
 'Bei der heutigen Veranstaltung geht es darum, das Engagement von Migrantenorganisationen bzw. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sichtbar zu machen und vorzustellen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft möchten wir (Migrantenorganisationen) den Dialog kommen und uns über Herausforderungen, Chancen und Handlungsempfehlungen austauschen. Wir wollen kennen lernen, welches Engagement stattfindet und wie wir dieses Engagement noch besser vernetzen und stärken können. Die Handlungsempfehlungen werden wir sammeln und an die Enquete Kommission für Integration im Bayerischen Landtag geben. Lassen Sie mich noch ein paar Worte zum Engagement sagen:
 
 Nicht erst seit 2015 wissen wir: In München und Bayern engagieren sich viele Menschen freiwillig, um Neuzuwandernde zu beraten, ihnen zu helfen und das Ankommen zu erleichtern. Eine wichtige Rolle kommt hierbei den Migrantenorganisationen zu. Denn Migrantenorganisationen sind: zentrale Brückenbauer und Vermittler. Sie sind wichtige Partner für gutes Ankommen und Teilhabe von Geflüchteten. Stärker als Einzelpersonen können Migrantenorganisationen der gleichberechtigten Teilhabe ein notwendiges Gewicht verleihen.
 
 Ihre Mitglieder, deren Familien, Verwandte oder die Nachkommen kennen häufig die Erfahrung des Ankommens. Aufgrund ihrer eigenen Migrationserfahrung, ihrer Mehrsprachigkeit und ihres interkulturellen Wissens können sie geflüchtete und zugewanderte Menschen in der neuen Umgebung unterstützen. Eine Studie, die vom Selbsthilfezentrum München 2015 beauftragt und vom Institut für Sozialforschung (SIM) durchgeführt wurde zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig das Engagement der Münchner Migrantenorganisationen ist und welche wichtige Rolle sie für die Unterstützung von geflüchteten und zugewanderten Menschen in unserer Stadt spielen.
 
 Die Studie befragte 110 Migrantenorganisationen. Von den 31 Organisationen, die sich an dem Fragebogen beteiligten, gaben 29 an, Angebote für Geflüchtete zu haben. 15 dieser Organisationen wurden durch Interviews genauer zu Ihrem Engagement befragt. Daraus ergaben sich folgende Erkenntnisse: Das Engagement für Geflüchtete wird in den Initiativen nicht prinzipiell von der Arbeit für die hier schon länger lebenden Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unterschieden. Die Rahmenbedingungen (Finanzen, Räume, Personal und Zeit) sind sehr begrenzt. Die Breite des Engagements bzw. der Angebote ist dennoch beträchtlich. Migrantenorganisationen informieren, beraten und unterstützen geflüchtete und zugewanderte Menschen finanziell, sie übersetzen, bieten ihnen Freizeitangebote und vermitteln ins Profisystem.
 
 Im Rahmen ihrer Freizeit- und Kulturangebote schaffen Migrantenorganisationen vielfach Möglichkeiten zum Austausch mit der örtlichen Bevölkerung. Diese Aktivitäten fördern die Akzeptanz und die Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung. Diese Erkenntnisse gibt es nicht nur in München. Auch an anderen Orten zeigt sich ein ähnliches Bild. Sie sehen also: Das Engagement von Migrantenorganisationen ist so vielfältig, wie die daran beteiligten Akteure, Gruppen und Initiativen. Und das Engagement von Migrantenorganisationen ist zentral für das friedliche Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft.
 
 Daher wird es Zeit, dass auch die Politik dies wahrnimmt und uns an wichtigen Entscheidungsprozessen beteiligt. Wir von MORGEN setzen uns dafür ein, die Aktivitäten von Migrantenorganisationen sichtbar zu machen. Wir unterstützen unsere Mitglieder in ihrem Engagement und vernetzen sie mit wichtigen Einrichtungen und Akteuren in der Stadt. Gemeinsam mit vielen Partnern setzen wir uns für eine offene Gesellschaft in München ein', so Safiétou Schwab.
 
 Politische und gesellschaftliche Teilhabe
 Im Workshop mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns, Frau Mitra Sharifi-Neystanak und Frau Dimitrina Lang aus dem Migrationsbeirat in München standen Möglichkeiten im Zentrum, wie Menschen mit Migrationshintergrund sich besser auf der politischen Ebene beteiligen können. Einig waren sich die Teilnehmenden darüber, dass eine politische Anerkennung als Minderheit und eine Beachtung auf Augenhöhe der eigenen kulturellen Identität eine essentielle Voraussetzung für politische Teilhabe ist.
 
 Die Frage, wie lange man selber als Migrant und Migrantin wahrgenommen wird, wurde ebenso thematisiert wie die wenig überraschende Feststellung, dass ohne Wahlrecht kein politisches Engagement möglich ist. Als mögliche Handlungsoptionen wurden neben Quotenregelungen und einem kommunalen Wahlrecht für alle Einwohnerinnen und Einwohner diskutiert, ob ein Mentor- oder Patenprogramm in den verschiedenen Parlamenten die Teilhabe verbessern kann. Als schnell und kosteneffizient umsetzbare weitere Option wurde ein rascher Ausbau der politischen Bildung und politischen Aufklärung eingebracht.
 
 Bildung, Geschichte der kulturellen Vielfalt
 Im Schulprojekt: Schlau-Schule können Flüchtlinge ihren Schulabschluss erreichen oder nachholen. Das bereits mehrfach ausgezeichnete Projekt stellte den Ausgangspunkt des Workshops zum Thema Bildung dar. Herr Christian Stegmüller, der Grundsatzreferent der Schlau-Schule und die Vorsitzende der Grünen Bayern, Frau Sigi Hagl leiteten den Workshop. Als Herausforderung für die bayerische Bildungswelt gilt die rasch wachsende Zahl von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Das bayerische Schul- und Bildungssystem ist zu starr, um Menschen die aus völlig anders aufgebauten Schulsystemen stammen oder gar keine Bildung bisher erhalten haben, aufzunehmen und adäquat zu bilden. Auch die Bildungsgerechtigkeit ist in Bayern ungleich. Menschen mit Migrationshintergrund haben viermal so oft keinen Schulabschluss.
 
 Menschen mit Fluchterfahrung haben hinzukommend oftmals keinerlei Bildungsvorkenntnisse, leiden unter Traumata und weisen dementsprechend eine viel höhere Abbruchquote auf. Die Schlau-Schule bietet einen Unterricht an, der Sprache und Kultur seiner Schülerinnen und Schüler beachtet und traumasensibel angeboten wird. Die Erfolge lassen sich sehen: 95 Prozent der Schüler und Schülerinnen erreichen den Mittelschulabschluss. Welche Verbesserungen in Bayern umgesetzt werden müssen, darüber sind sich die Teilnehmenden einig: Staatliche Angebote zur Vernetzung der Ehrenamtlichen, mehr Integrationsbeauftragte und Supervision, anstatt einer Selektion eine allgemein verbesserte Förderung aller Schüler und Schülerinnen, mehr Ganztagsschulen, kulturelle Vielfalt an Schulen leben. Auch Lehrkräfte und Ausbilder und Ausbilderinnen könnten von kultursensiblen und interkulturellen Fort- und Weiterbildungsangeboten profitieren.
 
 Arbeitsmarktintegration
 In diesem Workshop zeigten Frau Ahu Yildirim und Ludwig Simek vom AGABY-MigraNet Projekt „Beruflich anerkannt“ wie die Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann. Denn gerade hier legt die Staatsregierung mit ihrer flüchtlingsfeindlichen Politik viele Steine auf dem Weg und erschwert die Arbeit sowohl der Ehrenamtlichen, der Wirtschaft aber auch den Hauptamtlichen. Als Herausforderung wurde im Workshop zum Beispiel das oftmals fehlende Verständnis für das deutsche duale Ausbildungssystem und seine Anforderungen genannt. Oftmals geschieht es, dass „schnelles Geld“ einer fundierten und langen Ausbildung gegenüber bevorzugt wird. Auch unrealistische Erwartungshaltungen, fehlende Sprachkompetenzen und die deutsche Arbeitskultur wurden von den Teilnehmenden als zu meisternde Herausforderungen thematisiert.
 
 Doch es wurden nicht nur Probleme aufgezeigt, sondern auch Handlungsoptionen für Verbesserungen aufgestellt: Zum Beispiel die Einführung eines genormten Kompetenzfeststellungsverfahrens. Einem Qualifizierungsangebot für Analphabeten und flächendeckenden Sprachangeboten. Bundeseinheitliche Regelungen sind ebenso notwendig, wie ein Wegweiser für Ansprechpartner und Zuständigkeiten gebündelt mit der Anstrengung Bürokratie nachhaltig abzubauen. Die 3+2-Regelung muss auch in Bayern umfassend eingeführt werden. Auch der miserable öffentliche Personennahverkehr außerhalb der Städte wurde als großes Hindernis für eine bessere Arbeitsmarktintegration bezeichnet.
 
 Frauenrechte, Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern
 Frau Mahbuba Maqsoodi machte das Thema 'Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern' zum zentralen Thema ihres Workshops, welcher von Verena Osgyan, Sprecherin für Frauenpolitik moderiert wurde. Der Workshop stellte anschaulich dar, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern einer der zentralen Grundwerte unseres Grundgesetzes ist, dessen uneingeschränkte Einhaltung wir ausnahmslos von allen in diesem Land fordern. Frauenrechte dürfen aber auch nicht missbraucht werden, um die Angst vor zugewanderten Menschen zu schüren oder für rassistische Argumentationen zu instrumentalisieren, oder von eigenen patriarchalen Rollenbildern abzulenken. Möglichkeiten zur Verbesserung sehen die Teilnehmenden des Workshops darin, Frauenquoten auszubauen, um eine bessere Thematisierung von frauenspezifischen Problemen zu gewährleisten.
 
 Darüber wurde das Ziel betont, Gleichstellung übergreifend landesweit voranzutreiben. Je mehr die Prinzipien der Gleichstellung in allen Bereichen der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens verankert und umgesetzt wird, desto besser wird dadurch automatisch auch die Rolle von Migrantinnen. Die Anerkennung von Abschlüssen soll verbessert werden, um Migrantinnen den Einstieg in die Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Als Grundlage jeder weiteren Entwicklung hielten die Teilnehmenden fest, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Nicht nur Migrantinnen, sondern viele Frauen hinterfragen ihre Erziehung, ihre eigene Rolle in der Gesellschaft, der Familie, im Berufsleben oder bei der Familiengründung nicht.
 
 Wohnen – Stadtentwicklung und interkulturelles Zusammenleben
 Herr Matthias Weinzierl und sein Team haben das Bellevue di Monaco im Herzen Münchens als ein Begegnungsort der Kulturen installiert. Dafür mussten sie im Eigenregie und mit viel Power Barrieren der Bürokratie, aber auch viele Wände niederreißen. Denn das Bellevue ist noch nicht fertig saniert und doch jetzt schon eine Bereicherung für München. Jürgen Mistol, der bau- und wohnungspolitischer Sprecher der Fraktion, moderierte diesen Workshop. Orte der Begegnung, ob als Jugendzentrum, für interkulturellen Austausch oder ganz einfach als mögliche Treffpunkte für Migrantinnenorganisationen und Migrantenorganisationen sind ein gutes Mittel, um auch im Bereich der Stadtentwicklung Akzente für ein besseres interkulturelles Zusammenleben zu setzen. Eine Durchmischung der Wohnviertel und ein Ausbau von lebenswerten sozialgeförderten Wohnungen müssen nach Ansicht der Workshop-Teilnehmenden darüber hinaus ebenfalls Grundstein jeder Politik sein.
 
 Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung
 Zu viel; so das kurze und klare Statement der Teilnehmenden dieses Workshops, der von Herrn Hamado Dipama vom Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern und Frau Fatema Mian von Neue Deutsche Medienmacher geleitet und von Frau Lourdes Ros, InitiativGruppe – Interkulturelle Begegnung&Bildung e.V. moderiert wurde. Sie hielten fest, dass es zu viel Rassismus und zu viel Diskriminierung im Alltag, zu viele falsche Infos über Migrantinnen und Migranten oder vermeintliche Vorurteile, zu viel populistische Hetze gibt. Gleichzeitig haben Zivilcourage und Sensibilisierung nachgelassen.
 
 Möglichkeiten, hier entgegenzusetzen, sind eine Aufklärung über die bestehenden europäischen Antidiskriminierungsgesetze von Betroffenen und dem Einbringen eines Antidiskriminierungsgesetzes auf Landesebene. Aber auch die bestehenden Strukturen zur Bekämpfung von Rassismus sollten ausgebaut werden und die Förderung von Präventionsnetzwerken erhöht werden. Als ein Beispiel für sinnvolle Maßnahmen wurde die InitiativGruppe – Interkulturelle Begegnung & Bildung e.V. in München genannt. Der Verein, den Frau Lourdes als kulturelle Brücke aufgebaut hat, schafft es immer wieder durch die Unterstützung und Beratung von Flüchtlingen und Zugewanderten das friedliche Zusammenleben in der Stadt voranzubringen.
 
 Zuwanderung und Asyl: Brauchen wir ein Einwanderungsgesetz
 Im von Christine Kamm und Frau Gönül Kurt vom Migrationsbeirat Landeshauptstadt München geführten Workshop stand die Frage, wie ein deutsches Einwanderungsgesetz aussehen muss im Zentrum. Es wurde festgehalten, dass Einwanderung anhand der wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bedürfnisse orientiert werden sollte, nicht anhand der Herkunft.
 
 Bürgerschaftliches Engagement von Migrantenvereinen
 Herr Erich Eisenstecken vom Selbsthilfezentrum München und Frau Friederike Junker von MORGEN e.V. stellten ihre Arbeit vor und besprachen das ehrenamtliche Engagement von Migrantenvereinen. Frau Gerlinde Wouters von der Förderstelle für bürgerschaftliches Engagement moderierte das Workshop. Viele Menschen mit Migrationshintergrund engagieren sich ehrenamtlich oder vernetzen sich. Im Gegensatz zur in Deutschland stark formalisierten Form ist diese Art von Engagement aber oft sehr informell und locker organisiert. Diese kulturellen Unterschiede äußern sich zum Beispiel dadurch, dass sich die Landfrauen zum Beispiel stark organisieren, Fördermittel beantragen, Räume mieten und sehr geschlossen auftreten. Eine türkische oder libanesische Frauengruppe dagegen würde sich einfach völlig informell zusammenschließen und treffen.
 Förderung könnte hier so aussehen, dass mehr Aufklärung über die rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten des Zusammenschlusses informiert wird. Oft ist zum Beispiel nicht bekannt, dass Fahrtkosten abgerechnet, Räume bereitgestellt oder sogar eine Aufwandsentschädigung beantragt werden kann. Vor allem außerhalb der Städte fehlt es an einer Sensibilisierung für die Belange und die Art und Weise des ehrenamtlichen Engagements von Menschen mit Migrationshintergrund.
 
 Link zum Beitrag:
 Teilhabe als Menschenrecht - Ein Nachbericht