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Interview mit Anvar Araz

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Existenzgründer Araz
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„Wenn ich in meinen eigenen vier Wänden bin, kann ich weder etwas nach außen tragen noch eine andere Kultur zu mir einladen.“ (Anvar Araz)
 
 Anvar Araz ist 37 Jahre alt, Assyrer und kam 1984 als Asylbewerber nach Deutschland. Er war 14 Jahre alt, als er zum ersten Mal deutschen Boden betrat. Heute leitet Araz ein Unternehmen in Augsburg. Als Metallbaumeister beschäftigt er zwei Angestellte und bildet einen deutschen Lehrling aus. Er ist verheiratet und hat drei Kinder, die in Augsburg eine höhere Schule besuchen.
 

Herr Araz, Sie kamen vor 23 Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Welche Eindrücke sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
 Wir sind in der Nacht angekommen, meine Mutter und neun Geschwister. Mein Vater war ja schon in Europa. Ich erinnere mich an die vielen Lichter. Wir kommen aus einem kleinen Dorf. Da war es dunkel in der Nacht. Ich erinnere mich auch an die hohen Gebäude, die vielen Autos und dann die Straßenbahn in Augsburg. Ich hab zum ersten Mal eine Tram gesehen. Das gab es bei uns nicht. Ich dachte, das ist ein Zug. Die Kinder in Augsburg haben mich ausgelacht.
 
 Wie war der Start in Augsburg, Sie konnten ja kein Wort deutsch?
 Zuerst habe ich zwei Jahre die deutsche Sprache gelernt, dann mein Berufsvorbereitungsjahr absolviert, die Lehre und die Meisterschule gemacht. 2004 habe ich meine Selbständigkeit angemeldet.
 
  Wer hat Sie auf Ihrem beruflichen Weg unterstützt?
 Ich habe Unterstützung von der Stadt Augsburg bekommen: 1900 Euro sechs Monate lang. Das war eigentlich zu wenig und ein halbes Jahr Förderung zu kurz. Ich musste auch Maschinen anschaffen. Alle gebraucht. Das habe ich mit Darlehen und Erspartem finanziert.
 
 Und dann war die Firma gegründet?
 Ja, alles lief sehr gut. Ich habe alte Kontakte gepflegt, war viel unterwegs deutschlandweit und auch in Amerika. Dadurch bekam ich viele Kontakte und die habe ich gepflegt. Habe angerufen, geschrieben und so habe ich dann den einen oder anderen Auftrag bekommen. MigraNet hat mir geholfen.
 
 Wie hat MigraNet Sie unterstützt?
 Die Mitarbeiter haben mir gezeigt, wie man einen Brief schreibt, so dass er rechtlich und von der deutschen Rechtschreibung her korrekt ist. Sie haben mich auch in Rechtsfragen beraten, bei Unstimmigkeiten mit Kunden. Steuerlich habe ich keine Hilfe gebraucht. Meine Frau ist Steuerfachgehilfin.
 
 Gab es auch schwierige Zeiten?
 Eigentlich hatte ich bis jetzt wenig Schwierigkeiten. Die einzige Hürde war die Meisterschule, die ich erfolgreich absolviert habe.
 Als ich 1984 nach Deutschland kam, als Asylbewerber, durfte ich ausnahmsweise nach zwei Jahren Sprachschule, einem Jahr Berufsvorbereitung und mehreren Monaten Kampf mit den Behörden meine Lehre beginnen. Aber ich hatte kaum Grundkenntnisse. In der Heimat hatte ich nur die Grundschule besucht. Ich war lange aus der Schule raus, habe erst wieder lernen müssen, mich hinzuhocken und mit dem Lernen anzufangen. Am Schwierigsten war das Fach Statik: Wie stellt man statische Berechnungen an? Aber dennoch habe ich das über die Bühne gebracht.
 
 Was raten Sie Ihren Mitbürgern? Wie kann Integration gelingen?
 Man muss rausgehen. Auf Feste, in Vereine, in Zentren. Wenn ich in meinen eigenen vier Wänden bin, kann ich weder etwas nach außen tragen noch eine andere Kultur zu mir einladen.
 
 Die Fragen stellte Hella Neubert, Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner,
 München, Kurs Pressearbeit online 17