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Interview mit Dr. med. Robert Zell

Internist, Vorsitzender des Stiftungs-Vereins Krankenhaus für Naturheilweisen München, Dozent an der Osteopathie-Schule COE in Ismaning

Wie haben Sie zu dem Münchner Netzwerk für Gesundheit gefunden?

Durch einen Praxispatienten, der für organisatorische Aufgaben im Netzwerk zuständig ist. Er hat uns gefragt, ob wir uns an dem Netzwerk beteiligen möchten.

Warum haben Sie sich dem Netzwerk für Gesundheit angeschlossen?

Wer in München einen Arzt sucht, der neben seinem ,normalen' Behandlungsspektrum mit Naturheilverfahren und Komplementärmedizin arbeitet, findet in verschiedenen Verzeichnissen viele Ärzte mit Zusatzbezeichnungen. Das Problem: Die Kollegen tragen diese Zusatzbezeichnungen, sie stehen auf dem Praxisschild, aber sie behandeln nicht alle Erkrankungen mit Naturheilverfahren. Meistens macht jemand aus dem Bereich der Naturheilverfahren vielleicht ein zwei Dinge, wie z.B. eine Eigenblutbehandlung, aber es werden nicht systematisch Heilmethoden für alle Erkrankungen des Fachgebietes angeboten.
 Das war mein Beweggrund sich an dem Netzwerk zu beteiligen: Die Zahl derer, die mit Komplementärmedizin – Naturheilverfahren als seriöse Ergänzung zur Allgemeinmedizin und Inneren Medizin – arbeiten, ist doch sehr gering.
 Durch die Netzwerktreffen kann ich andere Netzwerkpartner persönlich kennen lernen. Ich sehe, ob diese einen ähnlichen Weg - den ich vertreten kann, der mir liegt, und den ich brauche – geht. Ich schaue über den Tellerrand, um meine Leistungen für meine Patienten ergänzen zu können. Das ist der Vorteil an dem Netzwerk. Der Nachteil ist, man muss etwas investieren und sich einbringen. Aber ich habe schon nach relativ kurzer Zeit gemerkt, dass Patienten, die ich für einzelne Auftragsleistungen an das Netzwerk weiterschicke, zufrieden sind und zurückkommen.
 

Warum wenden Sie alternative Heilmethoden an?

Ich habe in meiner Ausbildung erkannt, dass die klassische Schulmedizin ein sehr gutes Werkzeug ist, das man unbedingt braucht. Doch sie hat Grenzen, wenn man in der Praxis Patienten behandelt. Die Schulmedizin hat sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten nicht nur technisch, sondern auch hinsichtlich der Therapie chronischer Erkrankungen wesentlich verbessert. Trotzdem stößt man mit ihr an Barrieren und sollte sie deshalb durch gut geprüfte und wissenschaftlich fundierte, komplementärmedizinische Behandlungsverfahren ergänzen. Natürlich ist die Schulmedizin von enormer Bedeutung, wenn es um lebensbedrohliche Erkrankungen geht.

Welche Bedeutung hat die komplementäre Medizin in unserem Gesundheitssystem?

Die gestiegene Bedeutung von komplementärmedizinischen Leistungen erkennt man daran, dass Krankenkassen dafür jetzt Tarife anbieten. Das ist etwas Besonderes. Die Patienten und Kassen haben erkannt, dass es im Fall von nicht so akuten oder chronischen Erkrankungen eine ganz wichtige Zusatzbehandlung sein kann. Das Problem ist, dass alle Finanzmittel in der heutigen Medizin so ausgegeben werden, dass es sich lohnt. Kein Pharmaunternehmen unterstützt die Erforschung eines Medikaments, wenn nicht die Aussicht besteht, dass man viel daran verdienen kann. Nicht nur in Deutschland hat die Komplementärmedizin - so gut sie ist - einen viel geringeren finanziellen Background im Vergleich zur Schulmedizin.

Was für Menschen kommen als Patienten zu Ihnen?

Zu uns kommen Kassen- und Privatpatienten. Bemerkenswert ist, dass die Komplementärmedizin nicht nur für Privatpatienten interessant ist. Ganz im Gegenteil. Mein Eindruck ist sogar, dass die Kassenpatienten die Angebote mehr nutzen, obwohl sie das zu einem größeren Teil selbst bezahlen müssen. Wir haben einen ganz gemischten Patientenstamm von allen Krankenkassen, gesetzlich und privat.
 Eine zweite Unterteilung der Patienten kann über die Altersstruktur erfolgen: Unsere Gesellschaft und damit die Patienten werden immer älter. In unserer Praxis haben wir jedoch überdurchschnittlich viele jüngere Patienten. Warum? Ich denke, dass das mit dem Angebot zusammenhängt. Junge Leute z.B. mit Heuschnupfen, machen im Frühjahr ihre Eigenblutbehandlung, weil sie dann besser über die Saison kommen, ihr Immunsystem wieder einmoduliert ist. Wir haben aber, wie jede andere Praxis auch, ältere Patienten mit vielen Erkrankungen gleichzeitig.
 Die Erkrankungen stellen eine dritte Einteilungsmöglichkeit dar: Natürlich haben wir als Internisten Patienten mit inneren Krankheiten, die jedoch zusätzlich Komplementärmedizin nutzen können. Zu uns kommen auch Patienten, die sagen: Ich war schon bei allen möglichen Orthopäden, die machen immer nur das Gleiche. Somit haben wir auch sehr viele Patienten, die jetzt dieses Angebot, fachübergreifend und überlappend mit innerer Orthopädie, nutzen. Des Weiteren haben wir viele Patienten mit neurologischen Begleiterkrankungen. Die vielen unterschiedlichen Patienten und Krankheitsbilder machen die Arbeit sehr interessant, weil das Spektrum sehr groß ist.
 


 
 (Das Interview führten Isabelle Henkel und Brigitte Scharl.)